Ja wir lebe noch!

Tobias Altemeier  18 January 2005 18:30:41

Wir waren nur schreibfaul!

Da schreiben wir drei Tage nichts, und was passiert? Die ganze Welt fragt sich wo unsere Berichte bleiben! Ok, dann kommt jetzt der Bericht der letzten drei Tagen. Wir haben viel aufzuarbeiten!
Beginnen wir mit Sonntag. Alcatraz Tag. Wir traten ans Fenster – und – der schönste Sonn(en)tag, den wir bisher in Amerika erlebt haben. Jawohl! Zum ersten Mal haben wir unserer Continental-Breakfast im Hotel “genossen” (na gut, ist ja schließlich umsonst) und auf ging es zum Cable Car, das von uns sehr oft genutzte Verkehrsmittel. Ein paar Hügel und holperige Strecken später kauten wir uns bereits den ersten Capuccino am Pier 42, und reihten uns in die lange Schlage für unsere Fähre nach Alcatraz ein. Um 12:15 legte unsere schwankendes Transportmittel dann endlich, zur Reise in die Vergangenheit, ab. (Arme Kerstin :-) ))) Um jeglicher Sickness entgegen zu wirken, stellten wir uns ganz vorne auf dem Bug in den Wind. Der Vorteil: Zur Linken hatten wir einen gigantischen Ausblick auf die Golden Gate Bridge, zur Rechten lag die Oakland Bay Bridge, achtern das Panorama von San Francisco und vor uns Alcatraz. Genial! Nach 15 Minuten Schaukelei wurden wir dezent, durch ein riesiges Schild, darauf hingewiesen, dass wir keine Flüchtlinge auflesen dürfen, da darauf Gefängnisstrafe steht. Grins. Also konnten wir leider keinen Inhaftierten zur Flucht verhelfen um unsere Urlaubskasse aufzubessern. Schade, schade, schade! *grins* Die Zeitreise begann auf dem Berg im Zellenblock 41, als wir unsere Kopfhörer für die “Audio-Tour in Deutsch” aufsetzten. Eindrucksvoll wurde uns durch Zeitzeugen (Wärter sowie ehemalige Inhaftierte) das Leben auf Alcatraz näher gebracht. Warscheinlich muss man Alcatraz wirklich besucht haben, um das Leben auf “The Rock” zumindest in Ansätzen nachfühlen zu können. Wir wanderten durch die Zellengänge, die original Stimmen der Zeitzeugen (ok, parallel lief die deutsche Übersetzung) im Ohr und stoppten immer an den diktierten Stellen und markanten Punkten. Man kann sich das nicht vorstellen, Zelle an Zelle, mini klein, durch starkte Gitterstäbe vom Gang getrennt, null Privatspähre, (die Zelle besteht aus Bett, Klo, Waschbecken und einem Klapptisch) und durch die vergitterten Außenfenster – der herrliche Blick auf das unendliche Meer und die Silhuette von San Francisco. Wie gemein! Dieses wurde untermalt von den Berichten der Inhaftierten, die bedauerndswert berichteten, in ihren Zellen gesessen zu haben, vor Ihnen das Meer, und die Stimmen vom prallen Leben des Festlandes gehört zu haben. Und weiter ging es. Wir sahen die “Gun Galleries”, ein vergitterter Gang am Kopf des Zellentraktes, in dem die einzigen bewaffneten Wärter ständig patrollierten. Untermalt von Stimmen und Schussgeräuschen wurde uns von einem Ausbruchsversuch berichtet. Mehrer Gefangene, die sowieso nichts mehr zu verlieren hatten, hatten die Wärter an der Gun Gallerie, der einzigen Schwachstelle des Gefängnisses, überwältigt und entwaffnet. Der Ausbruchsversuch ist zwar kläglich gescheitert, die Wärter wurden allerdings von den Ausbrechern, die sich im Versorgungsschacht verschanzt hatten, exekutiert. Die Einschusslöcher zeugten von der damaligen Situation. Nach einen Spaziergang durch Essenssaal (es gab eine Meuterei, weil es immer nur Spaghetti gab & hier wurden auch drei Gefangene duch Mitinhaftierte durch Küchenmesser erstochen), dem Babiersallon und der Bibliothek gelangten wir an den Freiluftplatz der Strafanstalt. Auch hier wieder ein gigantischer Ausblick umrandet von hohen kalten Betonmauern, Stacheldraht und Überwachungstürmen. Kaum zu glauben, dass die Gefangenen hier einmal Baseball gespielt haben und sich an der Sonne etwas Luft gönnen konnten. Dieser Freiram wurde allerdings nur sehr wenig genutzt, die Inhaftierten saßen von 24 Stunden 23 in der Zelle, wenn sie gearbeitet haben nur 18 Stunden in der Zelle. Zieht man die Mittagspause ab, bleibt nicht mehr viel für diese atemberaubende Aussicht.
Drei Leuten ist der Ausbruch gelungen, es ist schon ein komisches Gefühl, nicht zu wissen, ob diese Personen untergetaucht sind, oder im eisigen Wasser des Pazifiks ertrunken sind. Niemand weiß es genau. Im Souvenier-Shop werden tonnenweise Biographien von ehemaligen Gefangenen angeboten, die über Ihr Leben auf “The Rock” zu erzählen hatten. Man erfährt, dass Maschine-Gun-Kelly sehr viel Humor hatte, Al Capone nicht gerade von geistiger Größe geschlagen war und ein extrem gewalttätiger Insasse ein wirklich helles Köpfchen war.
Wir haben noch einen Rundgang über diese wirklich schöne Insel gemacht, der Ausblick ist einfach unübertrefflich (wenn nicht der typische Nebel über der San Francisco Bay hängt) .
Am Festland angekommen haben wir uns ein wirklich gutes Essen am Pier 39 gegönnt. Und wir haben sogar draussen gesessen. Es gab Lachs, ein Gaumenschmaus. Diese einmalige Tour hat uns so fertig gemacht (oder lag es daran, dass wir zu Fuß über alle Hügel zurück zum Hotel gelaufen sind?) so dass an diesem Abend nichts weiter eine Chance hatte außer TV, Buch und Bett. Dieses scheint auch der Grund zu sein, dass wir am nächsten Tag bis in die Puppen geschlafen haben.
Ein paar Runden nach dem Aufstehen zum Wachwerden geschwommen und es ging zum Cable Car Museum. Was soll man sagen, der Eintritt war sogar frei! In erster Linie für Toby, war dieses ein absolutes Highlight, da es bewundernswert ist, dass diese Technik so funktioniert. Man kann sich nicht vorstellen, dass die Drahtseile, welche über die großen Räder läuft, gerade draußen fast 24 Cable Cars die Hügel hoch ziehen! Einfach wunderbar! (siehe Photos) Da wir es an diesem Tag recht locker angehen wollten, haben wir die Gegend um unser Hotel herum erkundet. Market Street, Financial District und Union Square. Man kann es sich angucken, beeindruckt hat uns der Rundgang nicht wirklich, einfach eine Großstadt halt. Abends wollten wir aber noch etwas unternehmen. Es lebe das Internet. Google nach “Live Musik und San Francisco” gefragt und raus kam: Lui’s am Pier 47. Ratter, ratter, ratter mit dem Cable Car und wir waren da! Keine Übertreibung: Wir haben hier wirklich den besten Fisch gegessen, den man sich vorstellen kann! Kerstins Augen leuteten als ihr Teller kam. Frische Skampis, Lachs, Lobster und viel Weißfisch … alles was das Herz begehrt. Nach dem Essen, eine Treppe höher, und wir waren in einem cosy “Blues Schuppen”. Wir saßen einer Live-Band gegenüber, die den Blues lebt. Genial! Wir haben uns nette Cocktails bestellt, wussten allerdings nicht, dass nicht nur die Live-Musik um 23 Uhr endet, sondern auch gleich der ganze Laden mit feierabend macht. So saßen wir vor unseren vollen Cocktail-Gläsern (0,45) und jetzt? OK, 123, Luft anhalten und “Ziehen”! 5 Minuten später verließen wir das Lokal in Richtung Cable Car Station. Die Begrüßung dort war allerliebst. Es standen 6 Cable Cars im Schlange mit einer Meute von Angestellten an der Endstation. Die Fahrer schienen sich zu langweilen. Kein Mensch in Sicht außer uns. “Hey, we were just waiting for you!” war die herzliche Berüßung. Die Fahrt “on our own” durch die Nacht begann. Nur zwei Cable Car Fahrer, Kerstin und Toby. Ratter, ratter,ratter und 6 Dollar später waren wir am Hotel. Nach einer außgiebigen Diskussion darüber, ob es einen Gott gibt oder nicht und über den Sinn des Lebens, fielen wir um 2:15 tot ins Bett.
Heute stand die Golden Gate Bridge und ein Ausflug zum Muir Wood Monument auf unserem Tagesplan. Was soll man sagen, es war schon wieder sehr beeindruckend. Es ist schon witzig, dass der berühmte rote Anstrich der Brücke nur ein Zufall war, eigentlich sollte sie nach dem roten Rostschutzanstrich noch grau werden. Wir können verstehen, dass dieses letzte Schritt nicht durchgeführt wurde. Die sowieso schon gewaltige Brücke erlangt durch diesen Farbton noch mehr Eindruck. Wir sind über diese Brücke durch sehr zügigen Wind gestiefelt und haben geknipst und geknipst! Wir konnten uns gar nicht satt sehen. Selbst Kerstin hat immer wieder den Schritt an die Brüstung und einen Blick hinunter gewagt. Nur an den Handlauf wollte Sie nicht gleifen, da man dann merkte wie sehr die Brücke vibriert und schwingt. Aber unsere Tour endete hier noch nicht, die höchsten Bäume der Welt lockten! Die letzten Meter vor dem Ziel waren allerdings das erste Mal wirklich heftig, es ging vorbei an Abgründen, Bergen und Tälern, aber ganz ohne Leitplanke. (Hier wurde selbst Toby komisch) Der Weg hatte sich aber gelohnt. Riesige alte und schöne Bäume belohnten uns für die Höllenfahrt. Das Muir Wood Monument ist für jeden San Francisco Besucher ein Muss! Auch der Apple-Pie schmecht super hier! Uns hier haben wir endlich die Bären gesehen, die wir im Yosemite Park so vermisst haben *zwinker*. Darauf folge ein kleiner Abstecker zum Strand. Traumhaft. Ein gigantisches Meer, eine super Brandung und ein berauschendes Rauschen. Ein weiteres Mal wurde uns bewußt wie schön diese Welt sind. Da die Dunkelheit nahte: zurück über die Brücke nach San Francisco. Schneller als gedacht erreichten wir die Metropole, es war noch hell, und somit fuhren wir über die berühmte Lobardstreet, die wohl steilste und gewundenste Straße der Welt, Richtung Telegraph Hill zum Coit Tower. Hier gibt es wohl den schönsten Ausblick über die Stadt und das Meer. Ein kurzer Blick auf die Fesken im Coit Tower, ein paar Photos geschossen, und die Restrooms genutzt (Man plant hier die Touren mit Kerstin nicht nach Attraktionen, sondern nach Restrooms) und es ging zurück zum Hotel.
Nach dieser ganzen frischen Luft und den erneut vielen Meilen die wir zurück gelegt haben, haben wir jetzt hunger!
Toby wird also nach diesem Bericht und der nötigen Dusche etwas essbares besorgen, und wir machen uns einen schönen Abend in unserem Cosy Room im Herzen von San Francisco.

Also wie Ihr lest, uns geht es gut, wir leben noch und freuen uns nicht auf zu hause!

Kerstin und Toby

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