Auf in den Osten…

Tobias Altemeier  28 September 2005 01:38:00

Himmelhoch jauchzend und zu tode betrübt!
Da wir gestern keine Lust hatten uns auf eine Route fest zu legen sind wir ohne direktes Ziel einfach Richtung Osten aufgebrochen. Schnell hatten wir die “Autopista Sur” erreicht und fuhren mit unserem Renner die lange Gerade an der wunderschönen Ostküste Teneriffas entlang. Wir sind ohne Erwartungen los gefahren da wir ja schon von der “Küstenfahrt” gegen West sehr enttäuscht worden sind. Aber auf dieser Strecke war alles anders. Zwar kann man nicht gerade sagen, dass die Autobahnfahrt das absolute “HighLight” darstellt, aber festzustellen, dass alle Spanier in Baustellen mit Tempobegrenzung “60″ trotzdem 120 fahren, fast jeder vergisst den Blinker wieder zurück zu nehmen
und Bussfahrer sowieso die schlimmsten sind, war der Ausblick gigantisch. Riesige Felsen stehen in der Brandung, die Gischt schäumt weiß und das tiefe Blau des Ozeans läßt einen die Mitstreiter im Verkehrskampf schnell vergessen.
Die nächste Abfahrt spontan rechts ging es bergab in das kleine Dorf “Los Roques”. Eigentlich verdient dieses Dorf ja gar keinen Namen, es besteht nur aus ein paar Minihäusern, Kleinststrand und gigantische Felsen (ach ja, eine kleine Kapelle war natürlich auch da, aber das ist ja in Spanien wohl in jedem Dorf so) 1735 Photos später ging es dann zurück auf’e Bahn weiter Richtung Norden bis nach Candelaria, einem typischen spanischen Städtchen mit geschichtsträchtigem Ortskern, schwarzem Sandstrand und eindrucksvollen Stauten (mit süßem Knackhintern).
Im Reiseführer wurde die hiesige Kirche als sehenswert bezeichnet und so schlossen wir uns den Pilgern an, die die Schutzheilige der Kanaren einmal von nahmen betrachten durften. Tobias wurde zwar wegen der großen Photomaschine etwas mistrauisch beäugt ( Photografieren war verboten) aber nach einer kleinen Spende sind wir überzeugt, dass uns nichts Schlechtes mehr widerfahren kann.
Kurz den Supermerkado besucht, und mit 120 wieder ab nach hause.
Dadarauf eingestimmt, dass Tenerifa wohl doch manches interessantes zu bieten hat, wollten wir am nächsten Tag uns weiter in den Norden vorwagen. Santa Cruz, die Hauptstadt von Teneriffa und einzige Stadt der Kanaren mit einer Universität, wartete auf uns — und zwar vergebens. Schnell flog die uns bekannte Strecke an uns vorrüber, wir passierten erneut Cadelaria u n d …. STOP! STAU!
Ja wo gibt es denn so etwas? Da sind wir 1000de von Meilen den Autolawinen entflohen, und jetzt das hier! Stau bedeutet hier: Hitze, eine dagegen ankämpfende Klimaanlage, immer einen nervigen Bussfahrer im Nacken und kein Klo weit und breit! Fuck. Stunde um Stunde, Meter um Meter kämpften wir uns der nächsten Ausfahrt- und damit dem hoffentlich “vorhandenen” stillen Örtchen – entgegen. Was kann man in so einer langen Zeit nicht alles diskutieren: Ist es so voll weil alle am WE nach Hause wollen? – oder weil es am WE alle zum Einkaufen in die Hauptstadt zieht? Oder Oder Oder – EGAL. Kerstin hatte ziemlich schnell keine Meinung mehr. Lang ersehnt kam die rettende Ausfahrt – ein Café war schnell gefunden – später merkten wir : es war auch das einzige Café im Ort. Hier hatten Sie nicht nur ein Örtchen zu bieten, sondern “obendrauf” noch einen Kaffee und eine Cola – für zusammen 1,70 Euro. Von der Terasse der Bar konnten wir die Blechlawine auf der TF-1 in maximal Schritttempo die Küste erklimmen sehen, daher kam nur die Ausweichroute TF-29 (die kleine Bergroute – mit den vielen Kurven Kerstin) in Frage. Kaum angekommen – auch hier Stau. Wir waren warscheinlich nicht alleine die hellsten Köpfe :-)  Jetzt hatten wir die Schna** voll – Rückzug! Steil den Berg hinunter zurück zur Autopista und in Lichtgeschwindigkeit wieder zurück auf unseren geliebten Balkon. Damit der Tag nicht ganz auf der “Autopiste-Strecke” geblieben war, wollten wir uns noch auf einen kleinen Bummel durch Los Christianos und Playa de Las Americas einlassen – Super Tolle Idee – Ein Kessel Hitze schlug uns entgegen, wir waren umgeben von turmhohen – Massen- Hochhaus-Silo-Hotels und die gewünschte Literatur (Kerstin hatte nichts mehr zu lesen) war nicht zu finden! Drei halbe Kreislaufzusammenbrüche später sind wir mit den Gedanken im Gepäck “Nie wieder hierher” zu unserer rettenden Insel “Bahia Principe Costa Adeje” zurückgekehrt.
Da wir ja kleine “Steh-auf-Männchen / Frauen” sind, ging es am nächsten Tag zuerst zu der von uns als gut befundenen “Insel-Mitte” – El Teide – aufgebrochen. Aber diesmal konnten wir unseren Horizont erweitern und sind über die Mitte hinausgeschossen – auf der anderen Bergseite wieder hinab bis Puerto de la Cruz! Und siehe da – es gibt auch schöne Orte auf dieser Insel! Der Reiseführer hatte zwar darauf hingewiesen, dass diese Stadt Altlasten der 70er Jahre zu tragen hat (auch hier die wohlbekannten Wohnbunker Marke 1600-Stock-Farbe-blätter-ab) aber davon abgesehen ist P.d.l.Cruz eine schöne Stadt mit ihrem eigenen Reiz.
Der Rückweg war schön- tat allerdings Kerstins Nacken und Magen gar nicht gut, das ewige rechts-links und links-rechts kann einen ganz schön madig machen. Außerdem kämpften wir die gesamte Strecke mit einem Linienbus. Entweder saß er uns im Nacken (WIRKLICH im Nacken) oder er blockierte die Strecke an einer Bushaltestelle. Trotz seiner Stops uns des enormen “Umfangs” (verglichen zur Straßenbreite) war er mindestens doppelt so schnell unterwegs wie wir. Beim bloßen hinsehen drehte sich Kerstin der Magen um!
Am nächsten Tag hatten wir von der Strecke trotzdem nicht genugt, wir wollten schließlich den Loro-Park (el must de Canrias) erkunden. Nur dumm, dass der genau in dem “Serpentienen-entfernten” Puerto de la Cruz lag, in dem wir gestern erst waren. Mit der Erwartung einen Tierpark zu sehen, fuhren wir auf den dessen Parkplatz. Man kann allerdings ohne Übertreibung sagen, so etwas schönes haben wir bisher noch nicht gesehen und erlebt. Der Parkt ist eine Oase. Man hat das Gefühl “Urlaub im Urlaub” zu machen. Die Anlage ist über alle Maßen gepflegt, die Gehege riesig und die Tiere werden absolut artgerecht gehalten. Überall stehen Aufseher, die die Besucher ernergisch darauf hinweisen dass das Photografieren mit Blitz, und das sonstige stören der Tiere nicht nur unerwünscht – sondert strikt verboten ist. Zwischen tausenden von Palmen, Urwäldern und Wasserfällen hört man kreischende Papagaien und beruhigende Entspannungsmusik. Man kann es recht einfach beschreiben: Herrlich! Dieser Park läd dazu ein, den ganzen Tag hier zu verbringen, mit seinen interessanten Shows, den schön gelegenen Ruhezonen und Restaurants die aussehen als wären Sie einem kleinem Bergdorf entsprungen. (nicht diese Fast-Food-Massen-Abfertigungs-Hallen die man sonst so gewohnt ist)
Um 17:30 erfolge unser High-Light des Tages – die Teamvorführung von Mensch und Delphin. In super tollem Ambiente mit toller Musik wurde uns ernorme Action geboten. Ein respektvolles Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur. Kerstin hätte natürlich am liebsten sämtliche Delphine eingepackt und mit nach hause genommen. Mitten in dieser – für uns – rührenden Show kam es –> unser Lied <–. Ach, einfach zum heulen! Natürlich aus Rührung und nicht aus Verzweifelung. Aber irgendwann geht auch der schönste Tag vorbei und somit ging es mal wieder im zick-zack-Kurs gegen Süden.

Heute war der letzter Tag mit unserem liebgewonnen groß-volumigen schwarten 1,2 Liter Renner POLO, dies bedeutete die letzte Chance Santa Cruz und den Norden zu erkunden. Was soll man sagen, wir sind diesmal sogar angekommen.
Zusammenfassend kann man Santa Cruz als eine typische Großstadt beschreiben. Viel Verkehr, in machchen Ecken schön, einen großen Instustriehafen und viel zu viele Geschäfte. Das bedeutet: Wir kamen an einem Besuch bei Zara (Toby: Nerv) mal wieder nicht vorbei. Es hat uns wirklich gut hier gefallen, nur auffällig war, dass es hier ein Übermaß an “etwas-anderen” Menschen gibt. An den Plazas sammelten sich Bettler, lauthals singende Opern-Alkoholiker und durchgeknallte nicht-entlohnte Platzanweiser. Nach einer weiteren Cola und Cafe-Pause in einer British-Bar – die nicht wirklich brittisch war (und Uni-Sex-Klo) wollten wir noch den nördlichsten Norden- das Angara-Gebirge sehen. Durch die sehenswerte (zwar kaum zu findende) Stadt La Laguna fuhren wir immer weiter bergauf zu den hoch gelegenden Vista-Points, die die Besucher über das Land und die Berge bis nach Gran Canaria blicken lassen sollten. In unserem Reiseführer stand, dass sich sogar einige Besucher der Insel ein Taxi mieten um die Aussicht dort genießen zu können. Nur für uns hat es sich nicht so 100%ig gelohnt, wir fühlen uns an unseren Besuch im Grand Canyon erinnert. “All you see is white” Wolken, Wolken, Wolken. Die einzigen kleinen Stellen durch die wir durch die Wolken blicken konnten waren allerdings die Reise wert. Unverständlich ist es für uns dass man diese Aussichtspunkte so herrunterkommen läßt.  Bauruinen ehemaliger Cafés zieren den Weg. Mit den Wolken die vorüberzogen wie kalter Nebel, wirkte das ganze schon sehr gespenstig. Also wieder im wärmere Gefielde zurück. Wäre es noch nicht so spät gewesen, hätten wir uns La Laguna noch gerne intensiv angeschaut, da uns die Stadt wirklich gut gefallen hat. Wehmütig dachen wir daran, dass die Orte die am weitesten von unserem Hotel entfernt waren uns wirklich reizen.
Als wir zurück im Hotel auf dem Weg zum Essen waren trafen wir das Ehepaar mit dem wir uns am zweiten Abend bekannt gemacht hatten wieder und hielten ein kurzes Schwätzchen. Sie haben den selben Eindruck von diesem Urlaub wie wir. Unsere Hotelanlage ist schön, aber das Personal ist durchweg unfreundlich wie fast alle Spaniener auf dieser Insel auch. Es gibt wenig wirklich schöne Ecken, wenn sind sie weit entfernt. Noch einmal Urlaub auf dieser Insel? Nein, dann doch lieber wieder Lanzarote. Dort hat es uns wesentlich besser gefallen. Jetzt denkt aber nicht, dass uns dieser Urlaub nicht gefallen hat, wir hatten immerhin “uns” 24 Stunden lang, viel Ruhe und Alles-Inklusive :-)

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